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In eine hoffnungsvolle Zukunft

Aktualisiert: 22. Mai 2023

Jetzt ging doch irgendwie alles so schnell, dachte ich mir als ich die beiden Jungs gut gelaunt in ihre jeweilige Klasse gehen sehe. Laxman in die dritte Klasse und Dinesh, sein älterer Bruder, drei Klassenstufen über ihm.

Ich fühle mich stolz und schuldig zu gleich. Mich plagt der Gedanke von Tag zu Tag, ob es die richtige Entscheidung gewesen ist.

Doch starten wir an dem Punkt, wo die Dinge ihren Anfang genommen haben. Im Oktober 2022 bin ich auf die Suche nach meinen Wurzeln in mein Dorf - Chandannath gegangen. Angekommen in Chandannath, nach über 16 Stunden Autofahrt, hatte ich gar nicht die Zeit so wirklich durchzuatmen. Ich wurde von meiner Familie, Verwandten und vielen weiteren herzlich begrüßt. Doch niemand berührte meine Seele mehr als die Kinder von meinem Bruder. Drei energievolle und unschuldige Kinder, die den Tag genossen, so wie er kam. In der Zeit war das wichtigste Hinduistische Festival - Dashain. Einen ganzen Monat lang gab es keine Schule und so hatte ich nicht die Möglichkeit, diese zu besichtigen. Später sollte dies möglich werden. Also kümmerte ich mich um die Bildung der Kinder. Vormittags bereitete ich den Unterricht vor und nachmittags ging es für die Kinder ein eineinhalb Stunden ans Eingemachte. Zur Belohnung haben wir abends gemeinsam einen Film über meinen Laptop geschaut. Doch die Bildungslücken insbesondere vom ältesten machten mir Sorgen. So führte ich Gespräche mit Freunden, mit meinen Eltern und ich informierte die ganze Familie, dass es bald sehr wahrscheinlich dazu kommen würde, dass zumindest die beiden Brüder Jumla verlassen, müssten für eine bessere Zukunft. Doch das schien alles so weit weg, denn das neue Jahr beginnt in Nepal am 13. April und das neue Schuljahr beginnt ebenfalls im April. In Nepal schreiben wir bereits, nach dem Vikram Sambat Kalender- ein ehemaliger König, das Jahr 2080.




Also überlegten meine Eltern und ich welche Schule für die Kinder meines Bruders geeignet wäre. Von der Snow Manjushree School, über Schulen in Nepalgunj oder geeignete Schulen in der Nähe von Jumla wurden mehrere Optionen durchgespielt. Doch in Nepalgunj, welches die nächstgrößere Stadt von Jumla ist, scheiterte es an Übernachtungsmöglichkeiten. Aufgrund von Corona wurden viele Hostels geschlossen.


Als ich nun mit meinen Eltern vor kurzem in Jumla gewesen bin, haben wir uns die Schule, die die drei Kinder besuchen, angeschaut und durften sogar am Unterricht teilnehmen. Wir haben mit dem Direktor über die Idee gesprochen, für seine Schule eine Partnerschule in Kathmandu oder vielleicht sogar in Deutschland zu suchen.

Doch das größte Problem bestand in der Anzahl der Schüler im Verhältnis zu den vorhandenen Lehrkräften. 600 Schüler, eng an eng in zu kleinen Klassenräumen. In der Klasse, welche meine Mama und ich begleitet haben, waren es 51 Schüler in einem Klassenzimmer. Der Unterricht ist ok, doch wie überall in Nepal fehlt, es den Lehrern an didaktischen Lehrmethoden, um einen angemessenen Unterricht zu gestalten. Ihnen fehlt letztendlich die 6 Jahre Studium, die deutsche Lehrkräfte hinter sich haben. Auch der Unterrichtsausfall ist ein Problem. Und während der kalten Winterzeit, bleibt die Schule komplett geschlossen für mindestens 1 Monat.


Nach langer Überlegung und vielen Gesprächen haben wir uns für eine Schule in Kathmandu entschieden. Die Bidhya Sagar English Boarding School. Vielen Dank an Alle, die mit ihren Spenden, den Schulwechsel der beiden Jungs an die neue Schule in Kathmandu möglich gemacht haben. Das Geld für dieses Schuljahr ist vollständig bezahlt und dafür möchte ich mich ganz herzlich bei allen Sponsoren bedanken. Auch für die zukünftige Unterstützung, für die kommenden Schuljahre, schon mal herzlichen Dank. Geplant ist, dass in 2 Jahren die kleine Schwester- Amantika auch auf diese Schule in Kathmandu wechseln wird. An dieser Schule arbeite ich seit November 22 als Volontär, ich unterrichte dort täglich. Ich habe ein gutes Verhältnis zum Principal (Direktor), den Lehrkräften und den Didis (Betreuerinnen) im Hostel.





Seit ein paar Wochen sind die beiden Jungs dort und fühlen sich wohl. Ein paar Freunde haben sie auch schon gefunden. Sie halten sich tapfer und doch gibt es Situationen, wo die Emotionen überkochen und Tränen fließen. Da kommen Onkel und Neffe sich schon mal in die Haare, wenn es um bestimmte Dinge geht. Ein Beispiel, wo ich Dinesh (dem älteren Bruder) deutlich machen wollte, dass das Geld nicht auf Bäumen wächst und ich nicht unbegrenzt Geld für Bücher, für andere Sachen zur Verfügung habe.

Er gab mir die Bücher (die ich ihm vorher gekauft hatte) zurück und sagte, die gehören dir dann auch – er wollte damit sagen – mir gehört gar nichts.

Es kam zum emotionalen Ausbruch, als er mir erzählte, dass er sich unter Druck gesetzt fühlt und nichts Neues in seinen Kopf reingeht. Ich habe ihn in den Arm genommen und getröstet und gesagt, dass er sich keinen Druck machen soll. In solchen Momenten komme ich ins Grübeln, weil ich mich sehr verantwortlich fühle und doch weiß ich, dass es die richtige Entscheidung war. Hier in der Schule haben sie alle Möglichkeiten, es gibt jeden Tag gutes Essen, Ausflüge, vernünftigen Unterricht, Freunde zusätzliche Sport- und Musikaktivitäten und vieles mehr.

Für eine gute und erfolgreiche Zukunft ihr Beiden.






 
 
 

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